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Legasthenie-Korrektur

 

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Probleme im Lesen und Schreiben.
 Die meisten dieser Kinder haben Jahrelang mit den unterschiedlichsten Methoden fleissig mehrmals pro Woche geübt. Lehrer und Eltern wissen, dass sie zu Hause oft weit weniger Fehler machen - dass sie das Wissen sehr wohl aufgenommen haben. In der Schule dann versagen sie doch wieder kläglich. Trotzdem können manche Lehrer ihren Unwillen darüber, dass diese Kinder "es nicht packen", nicht verbergen, was den Kindern ihr mangelndes Selbstwertgefühl bestätigt. Diese Situation scheint ausweglos.

Orientierung
Hier hilft die Orientierung (Zentrierung). Die Kinder müssen lernen, sich eigenständig in diesen "orientierten Zustand" zu versetzen. Plötzlich können sie Geschriebenes klar lesen; und es geht zunächst einmal darum, dies langsam zu tun, weil Eilen sofort wieder desorientieren würde. Dies zu erkennen, wann immer wieder Desorientierung / Verwirrung entsteht, ist eine wichtige Aufgabe. Im Zustand der Orientierung stellen viele verblüfft fest, dass es "im Gehirn kribbelt". Den Gebieten im Gehirn, die bisher energetisch "unterversorgt" waren, fließt neue Energie zu. Darum ist es notwendig, die Zentrierung nun täglich für einige Zeit zu üben. Nach ein paar Stunden können sie Spannungen in Kopf, Nacken, bis hinunter in die Brust und die Arme spüren. Im zentrierten Zustand sind steife Schultern, Arme oder Finger beim Schreiben augenblicklich verschwunden. Ist der Kopf entspannt, bemerken die Kinder zu ihrem Erstaunen, dass sie besser sehen und sogar hören. Spannung, die sich sonst im Ohrkanal auswirkt, ist aufgehoben, und sie können über klares Hören Wörter korrekt schreiben.
 

Denken in Bildern Erinnern mit allen Sinnen
Beim Lesen und Schreiben zeigt sich aber auch, dass Formen, Buchstaben und sogar ganze Wörter immer wieder verwirren. Sprache hat viele einfache Wörter, die einem Legastheniker, der in Bildern zu denken gewohnt ist, keine Bilder machen. Wird die Bildentwicklung während des Lesens und Schreibens immer wieder unterbrochen, gibt es wiederholt Verwirrungszustände, die zwar - ist die Orientierung einmal bewusst - selbst-ständig wieder korrigiert werden können, jedoch führt das zu Ermüdungserscheinungen. Drum empfiehlt es sich, für diese zumeist einfachen Wörter Bilder aus Knete zu gestalten. Unser "Gehirn-Computer" dankt es uns, indem er angeschaltet bleibt und somit die Verwirrungszustände immer seltener werden. Wohl jeder weiss, wie gut ein "fotografisches Gedächtnis" funktioniert. Was ich gesehen, mit all meinen Sinnen wahrgenommen, "begriffen" habe, bleibt mir in der Erinnerung. Eine besondere Gabe der Legastheniker besteht darin, Erinnerung mit allen Sinnen jederzeit abrufen zu können, den inneren Film wieder ablaufen zu lassen. So wirkt auch die Bildgestaltung. Bekommt das Gehirn Bilder, bleibt es entspannt und orientiert. Das erklärt auch die positive Wirkung von Phantasiereisen. Können Kinder den angebotenen Bildern folgen, sorgt das für ein entspanntes Gehirn.

Kneten
Fordert man die Kinder auf: Knete mal ein "ich" kommt nicht selten: "Das kann ich doch nicht." Obwohl Legastheniker bekanntlich sehr ausge-prägte künstlerische Talente haben, ist ihnen ihr Minderwertig-keitsgefühl oft im Weg.
 
     
     
     
     

Fast jeder hat das schon mal erlebt: Man steht vor der Haustür und will aufschliessen, aber der Schlüssel ist nicht in der Handtasche. Man sucht wiederholt, greift in die Manteltasche, die Hosentaschen; er ist nicht da. Unruhe kommt auf und man beginnt rückwärts zu denken. Wo habe ich ihn zuletzt gehabt? Wann war er noch da? Hat ihn womöglich jemand gestohlen, ist die Wohnung bereits ausgeräumt? Angst kommt auf und vielleicht auch Ärger über sich selbst. Ganz automatisch sammelt man sich einen Augenblick - und da ist er, der Schlüssel. Er hing die ganze Zeit am linken kleinen Finger. Ein typischer Zustand von Desorientierung. Zum Glück passiert er manchen Menschen nur gelegentlich. Legastheniker erleiden diesen Zustand von Desorientierung oder Verwirrung unterschiedlich häufig. Bei manchen ist er zum Dauerzustand geworden. Wen wundert es, dass diese Kinder (es gibt auch erwachsende Legastheniker) sich dann nicht aufs Lesen und Schreiben "konzentrieren" können? Je länger sie darunter leiden, desto geringer wird ihr Selbstwertgefühl. Immer wieder erleben sie sich als Versager. Bei jedem Leseversuch und jedem neuen Diktat baut sich diese Unruhe aus Versagensängsten und Selbstverachtung auf. Hinzu kommt die Angst, die Eltern zu enttäuschen und vor der Kritik in der Schule. Einige dieser Kinder haben grosse Freude am Sport, setzen ihren ganzen Ehrgeiz da hinein und verhelfen sich mit den Erfolgen im Sport zu einem neuen Selbstbewusstsein. Leider löst das jedoch nicht ihre

     
Doch das ist schnell überwunden. Bald kneten fast alle ein recht stattliches "ich". Für viele der einfachen Wörter entstehen schöne, lustige - manchmal tiefsinnige oder auch boshafte Bilder. Es macht eine Menge Spass, und nicht selten hört man: "Das habe ich aber toll hingekriegt!" So ein Eigenlob fördert auch den Selbstwert. Neue Wörter, die keine Bilder machen, tauchen auf und wollen gestaltet werden, was die Kinder jedoch dann allein bewerkstelligen können. Auf diese Weise können auch Vokabeln und Fremdwörter aus Fach-gebieten viel leichter behalten werden. Hat man einmal eine gewisse Fertigkeit im Kneten der Bilder gewonnen, ist es nur noch ein Kinder-spiel, sich Sprache zu erschliessen.
Emotionen
Im Laufe dieser "Arbeit" treten auch Emotionen zutage. Wenn Kinder lernen, dass ihr Ärger, ihre Wut willkommen sind, dass sie nicht immer zerstörerisch sein müssen, sondern Kräfte sind, die auch anders ausgedrückt werden können, sind sie meist verblüfft. Ihre Müdigkeit, der "Nebel", in den sie beim Lesen geraten, weicht im Handumdrehen einer neuen Klarheit. Sie lernen, sich nicht mehr selbst zu verleugnen, ihre Gefühle nicht mehr angstvoll zu verstecken, sondern ihnen ihren Platz einzuräumen.

Monika Meier

aus Berliner Lehrer Zeitung - 02/1998

     
 
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Fast jeder Mensch erlebt zeitweilig Zustände von Desorientierung, z.B. wenn er seine Brille sucht und dann feststellt, dass er sie die ganze Zeit auf dem Kopf hatte.
Legastheniker sind mehr oder weniger häufig desorientiert und haben dann Probleme mit Lesen oder Schreiben. Viele Mütter wissen, dass ihre presseKinder richtig schreiben können, trotzdem aber immer wieder Fehler machen. Das ist auf die Desorientierung zurückzuführen. Lernen Legastheniker, sich selbst bewusst einen Zustand von Orientierung zu versetzen (was innerhalb von wenigen Stunden passiert), geht das Lernen sehr viel leichter. Im orientierten Zustand (der gleichzeitig eine Zentrierung im Leib bedeutet), ist man in seiner Mitte. Es entsteht eine innere Entspannung, die vom Gehirn ausgeht, gleichzeitig die Sinne entspannt, z.B. die Gehörgänge, die Augenmuskeln. Spannungen entlang der Körpervorderseite, die bei Hyperaktiven besonders ausgeprägt sind, können nach und nach bewusst gemacht und vermieden werden.

Der Ruf nach ganzheitlichem Lernen wird immer lauter. „Natürlich - was ich mal begriffen“, mit meinen Sinnen wahrgenommen habe, kann ich mir jederzeit wieder in Erinnerung rufen. So lernen Legastheniker, die Schwierigkeiten mit Symbolen/Wörtern haben, durch Gestalten mit Knete, sich diese besser zu erschließen. Nach kurzer Zeit gelingt es ihnen, das Alphabet rückwärts aufzusagen. Beim Kneten entdecken viele überrascht bei sich ein großes Talent und erfahren, wie viel Spaß Lernen auf diese Weise macht.
Natürlich ist die Desorientierung mit einem Mal nicht aufgehoben. Aber sie erkennen und jederzeit in Sekundenbruchteilen wieder „korrigieren“, das kann man nun selbst. Dies gilt für Kleine - und auch Große.

(Intensivtraining: 25 - 30 Stunden innerhalb einer Woche, Erwachsene brauchen weniger)
 

Monika Meier

aus SEIN - 1999
©2008 Legastheniehilfen M. Meier